Biologischer Pflanzenschutz

Wie betreibt man im eigenen Garten effektiven Pflanzenschutz ohne die Chemische Keule?

Als Gartenbesitzer sind wir auf die Bestäubung unserer Pflanzen durch Insekten angewiesen. Aber wehe, wenn es eine Raupe wagen sollte, auch nur ein Blatt unseres heiligen Blumenkohls anzufressen! Dann greifen wir zur Giftspritze und erklären allen Insekten den Krieg, egal ob sie schuldig oder unschuldig sind. Wir rotten sie aus und vergiften sie mit den so genannten Pflanzenschutzmitteln. Dabei ist allein der Name "Pflanzenschutzmittel" irreführend. Die Bezeichnung "Gift" ist viel zutreffender. Denn genau darum handelt es sich bei vielen Pflanzenschutzmitteln. Wir nutzen dieses Gift bedenkenlos und töten damit unsere Insekten. Schauen sie sich in diesem Video einmal an, wie sehr zum Beispiel kleine Enten auf die Insekten angewiesen sind. Wie viele Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien durch die Chemische Keule umkommen weiß niemand, und zu guter Letzt schädigen wir uns selbst. Denn das Gift landet auf unserem Teller. Wir essen die Pflanzen, die wir zuvor vergiftet haben.

Dabei ist es gar nicht notwendig gleich mit der Chemischen Keule auf die Schädlinge los zu gehen. Es gibt genug natürliche Wirkstoffe, die wir nutzen können. Diese Mittel gibt es nicht in Plastikflaschen im Supermarkt, die muss man selbst herstellen. Dafür sind diese Mittel fast kostenlos und wir tun etwas für die Umwelt, für unsere Kinder und für uns selbst. Für Kinder ist es oft sehr spannend, wenn sie an der Herstellung beteiligt werden. Sie lernen etwas über Chemie und über die Zusammenhänge in der Natur. Alle Inhaltsstoffe der hier vorgestellten Mittel werden in der Natur es sehr schnell zu ungiftigen Stoffen abgebaut.

 

Brennnesselextrakt hilft gegen Blattläuse. So geht’s:

Ziehen sie sich Handschuhe an und greifen sie sich ihre Heckenschere oder ein Messer. Ernten sie die Brennnessel mit Blättern und Stiel. Achten sie darauf, dass noch genug Pflanzen für die Schmetterlinge stehen bleiben. Einige Arten sind darauf angewiesen. Stopfen sie die Brennnessel in einen Topf oder Eimer und übergießen den Inhalt mit heißem Wasser. (ca. 0,5 kg Brennnesseln in 5 l Wasser) Lassen sie den Inhalt ziehen und langsam abkühlen. Am nächsten Tag filtern sie das Wasser durch ein Tuch oder ein Sieb. Füllen sie es unverdünnt in eine Spritzflasche und rücken sie ihren Blattläusen auf die Pelle.

 

Knoblauch hilft gegen Blattläuse, Milben, Mehltau, gegen Pilze und sogar gegen Wühlmäuse. Er enthält bioaktive Substanzen wie Allicin und Mercaptan. Ein Mittel für ihre Pflanzen ist sehr schnell hergestellt. Zerdrücken sie 50 g Knoblauchzehen oder hacken sie den Knoblauch in ihrer Küchenmaschine klein. Dann geben sie 5 l kaltes Wasser darauf und lassen den Kaltwasserauszug 24 Stunden stehen. (heißes Wasser zerstört einige Inhaltsstoffe) Am nächsten Tag filtern sie das Wasser durch ein Tuch oder ein Sieb und füllen es in eine Sprühflasche. Ihre Pflanzen werden sich freuen.

 

 

 

Kapuzinerkresse hilft gegen Raupen, Ameisen und Blutläuse (Wollläuse). Verfahren sie mit der Kapuzinerkresse genau wie mit dem Knoblauch. 150 g Kapuzinerkresse kleinhacken, 5 l kaltes Wasser darauf, 24 Stunden stehen lassen, filtern und auf die Pflanzen sprühen.

Rainfarn hilft gegen Mehltau, Blattläuse, Milben, Kohlweißlingraupen, Larven der Blattwespe, Erdflöhe und Pilze.
Geben sie 150 g Rainfarn in einen Topf und gießen 5 l heißes Wasser darauf. Lassen sie den Tee 24 Stunden stehen, filtern, und ab in die Sprühflasche.

 

 

Wermut hilft gegen Milben, Erdflöhe, Blattläuse und Ameisen. Ernten sie 150 g frischen Wehrmut zwischen Juni und September, gießen sie 5 l heißes Wasser darauf. Lassen sie den Tee 24 Stunden stehen, filtern... den Rest kennen sie schon.

Nützlinge

 

Moderne landwirtschaftliche Großbetriebe gehen immer mehr dazu über, ganz auf den Giftcocktail der chemischen Industrie zu verzichten und mit Hilfe von Nützlingen die Schädlinge zu bekämpfen.

 

Die wichtigsten Nützlinge sind Insekten Arten wie Marienkäfer, Raubmilben, Raubwanzen, Gallmücken, Schlupfwespen, Schwebfliegen, Soldatenkäfer und Florfliegen. Sie ernähren sich von Blattläusen, Spinnmilben und den Eiern von vielen Schädlingen. Oft sind es die Larven dieser räuberischen Arten Nützlinge, die vor allem zahlreiche Blattläuse fressen oder aussaugen. Nicht selten vertilgt eine Larve mehrere Hundert Blattläuse in ihrem Leben, ein ausgewachsener Marienkäfer frisst sogar über hundert pro Tag.

 

Damit sich möglichst viele Nützlinge im Garten und auf dem Bauernhof wohlfühlen, müssen wir für einen möglichst naturnahes Umfeld sorgen. Dazu zählen natürliche Verstecke und Plätze zum Nisten und Überwintern. Nützlinge halten sich gern in Mauerspalten, Hecken, Bäumen, Holz, Steinhaufen und Blätterhaufen auf. Je mehr Unterschlüpfe wir bieten, je mehr Nützlinge in Form von Insekten und Säugetieren werden sich breit machen. Einige Insekten und Tiere überwintern aber auch im Keller oder auf dem Dachboden. Ein aufgestelltes Insektenhotel wird auch sehr gern angenommen.

 

 

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Pflanzen können viel mehr als nur Krankheiten heilen und unseren Gaumen geschmackvoll kitzeln. Wenn sie Rotkohl anbauen, werden früher oder später Kohlweißlinge über ihre ordentlichen Beete herfallen und hässliche Löcher in die schönen Rotkohlblätter fressen. Minze kann da Abhilfe schaffen. Allerdings sträuben sich jedem ordentlichen Gärtner die Nackenhaare, wenn er zwischen seine Rotkohlköpfe Minze pflanzen soll. Die passt einfach nicht in die gerade gezogenen Reihen eines Rotkohlbeets! Doch Minze schützt den Rotkohl vor seinen Fressfeinden, den Kohlweißlingen. Diese Schmetterlinge mögen den Duft der Minze nicht und weichen auf weiter entfernte Pflanzen aus. Schnecken werden von Thymian, Salbei, Lavendel, Knoblauch oder Tomaten vertrieben. Setzen sie diese Pflanzen einfach mitten in ihre Gemüsebeete, das hält die Schnecken fern. Natürlich sieht ihr Gemüsebeet jetzt nicht mehr aus, wie das ordentliche Beet ihres Nachbarn. Es ist eher ein undefinierbares pflanzliches Durcheinander. Doch dieses Durcheinander setzt sich erfolgreich gegen seine Feinde zur Wehr. In der pflanzlichen Vielfalt liegt die Kraft, auch ohne die chemische Keule erfolgreich zu Überleben.